Von Hexen, Sündenböcken und Saligen Frauen (Teil2)

Falls Sie, werter Leser, nicht wissen wer oder was die „Saligen“ waren, bitte googeln sie den Begriff doch rasch oder noch besser: Lesen Sie Teil 1 dieses Artikels, bevor Sie an dieser Stelle weiterlesen!

Gegen Ende 2012 ist der Film „Die Wand“ nach der Romanvorlage von Marlen Haushofer in die Kinos gekommen. Er erzählt die Geschichte einer Frau, die plötzlich allein in der Bergwelt der Alpen überleben muss und deren Einstellung zum Leben und zu sich selber sich dabei mit der Zeit grundlegend wandelt. Eine unsichbare Wand hindert sie für immer daran in ihre alte Welt zurückzukehren.

Als ich den Film gesehen hatte, drängte sich mir sofort die Assoziation zu den „Saligen“ oder „Wilden“ Frauen auf, die in den Sagen und Mythen der Hochalpenregionen verbreitet sind und die nach Heide Göttner-Abendroth und Hans Haid möglicherweise die zurückgezogenen Überbleibsel einer matriarchalen Hirtinnen-Kultur waren, bis sie später patriarchaler Gewalt zum Opfer fielen (z.B. Hexenverfolgung, siehe Teil 1 dieses Artikels). Die unsichtbare Wand, die in dem Film eine bedeutsame Rolle spielt, interpretiere ich in dieser Analogie als unüberwindbare kulturelle Barriere zwischen der patriarchalen Welt im Tal und der zurückgezogenen matriarchalen Kultur in den Bergen. Das Leben der Saligen war in den Tälern bedroht, denn alleinstehende Frauen galten in der patriarchalen Welt seit jeher als Prostituierte bzw als Freiwild. Eine Rückkehr war unmöglich. Die „Saligen“ waren naturverbunden, waren die „Beschützerinnen der Tiere“, verstanden sich aufs Buttern und Käsen und lebten völlig unabhängig von Männern, ganz so, wie die weibliche Protagonistin in „Die Wand“. Diese lebt mit einem Hund, einer Kuh, einem Kalb, 2 Katzen und einer verstossenen Krähe zusammen und ermöglicht allen das Überleben im Einklang mit der Natur, bis eines Tages wie aus dem Nichts ein Mann auf der Bildfläche erscheint, der ihr das Liebste nehmen will, das sie hat: Ihre Tiere. Er mordet zwei ihrer Tiere im Blutrausch mit einer Art Beil. Um die übrigen Tiere vor dem sicheren Tode zu bewahren, erschießt sie den Mann ohne zu zögern mit einem Gewehr. Ich fühlte mich erinnert an „Ötzi“, den mumifizierten Mann aus dem Eis, den man in den Ötztaler Hochalpen gefunden hat und der nachweislich einem gewaltsamen Tode zum Opfer gefallen war. Hans Haid, der damals Ötzis Bergung aus nächster Nähe mitbekommen hat, schreibt Folgendes:

Ich hatte aufgrund intensiver Kenntnis der Sagen sofort einen Zusammenhang mit der Sagenwelt der Saligen Frauen gefunden. Immer wieder berichten die alten Sagen vom „verschwundenen Mann im Hinteren Eis“, von einem Hirten oder Jäger, der in das Reich der Saligen vorgedrungen war und der eine von diesen geheimnisvollen Frauen geschützte Gämse schießen bzw. erlegen wollte. Beim Nachlesen in den verschiedenen Sagensammlungen hat es sich dann bestätigt: Dreimal berichten Sagen konkret über das Ereignis, dass ein Mann im Ferner verschwunden ist, immer im „Hinteren Eis“, also in der Gletscherwelt des hintersten Rofentales.“

(Quelle: http://www.cultura.at/haid/matriarchat.html)

Ötzi hatte ein Kupferbeil bei sich, einen für die Welt um 3000 v.Chr. unglaublich wertvollen Gegenstand, den man ihm trotz gewaltsamen Todes postmortem nicht abgenommen hat – warum wohl…? Die Verursacher seines Todes waren offenbar an diesem Gerät nicht die im Geringsten interessiert.

Für mich ist „Die Wand“ eine moderne Schilderung dessen, was sich vor rund 3000 Jahren in den Ötztaler Alpen rund um Ötzi abgespielt hat. Woher Marlen Haushofer davon wusste, obgleich man Ötzi erst rund 30 Jahre nach Vollendung ihres Romans fand, kann ich nur spekulieren: Vermag weibliche Intuition und Spiritualität die Grenzen von Zeit und Raum zu überwinden? Diese wahre Geschichte hat Sie einfach aufgefangen und niedergeschrieben, tausende Jahre nachdem „Ötzi“ den Tod gefunden hatte und noch viele Jahre bevor man ihn im Eis wiederentdeckt hatte.

Herzlichst,

Euer Anatol Stein

(c) by Robert Anatol Stein, 2013

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Über anatolstein

Robert Anatol Stein, Dipl.-Ing. (BA), Systemischer Coach, Systemischer Körperpsychotherapeut, http://www.dreistattdry.de, Mitglied bzw. Unterstützer von: MatriaVal e.V., Greenpeace, World Vision, Avaaz.org, Paladins.eu, MatriaSys.de, DreiStattDry.de
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