Beziehungen verändern Menschen

Ist es fair zu erwarten, dass sich ein Mensch ändert, wenn wir ihn/sie kritisieren? Ungeachtet dessen, ob die Kritik objektiv betrachtet überhaupt gerechtfertigt ist, ist Kritik immer auch eine Wertung und hat daher immer hohes Verletzungspotential. Meist richten wir mehr schaden an, als wir damit nutzen und Sie kennen es wahrscheinlich auch von sich selber: Werden Sie kritisiert – selbst wenn der Ton freundlich ist – klappt sicher auch bei Ihnen recht schnell das „stählerne Garagentor“ herunter und Sie können kaum noch etwas davon annehmen, was man Ihnen da alles aufladen möchte. Nur allzu verständlich, zumal unsere Kritiker meist selber einen gehörigen Sack voll unangenehmer Symptome zur Schau tragen.

Wir alle sind langjährige Resultate unserer Biographien und niemand von uns hat es sich ausgesucht Eigenschaften anzunehmen, die von anderen als unangenehm oder änderungsbedürftig wahrgenommen werden. Aber gewiss sind wir damit auch nicht schon auf die Welt gekommen. Als Faustregel gilt: Niemand wird als schlechter Mensch geboren! Wir haben alles erst erworben und die meisten problematischen Verhaltensmuster sind Antworten auf seelische Verletzungen bzw. die Relikte ehemals stattgefundener Überlebenskämpfe aus höchst unfairen und symptomreichen Systemen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir in einem sicheren, wertschätzenden und achtsamen Umfeld aufwachsen.

Die Realität sieht jedoch leider anders aus und wir müssen mit den Symptomen unseres unachtsamen Miteinanders in der patriarchal geprägten Welt mühevoll umgehen lernen. Aber was verändert Menschen denn nun? Sie ahnen es sicher bereits:

Beziehungen verändern Menschen. Ich kann Menschen selber nicht ändern, aber ändere ich meine Beziehung zu ihnen, so ändern sie sich!

Also: um jedoch meine Beziehung zu jemandem zu ändern, muss sich zunächst an mir selber etwas ändern. Das ist fair und hat nichts Manipulatives, da beide „Parteien“ gleichermaßen investieren müssen. Die Systemik ist eben ihrem Wesen nach gerecht. Alles andere ist Übergriff, Betrug oder sind manipulative Machtkämpfe. Insbesondere bei der Kindererziehung sollte man beachten: Beziehung statt Erziehung!

Doch wie ändere ich mich selbst?  Zunächst lassen Sie sich von Menschen Ihres Vertrauens ehrliche Rückmeldung geben, wie Ihr Verhalten auf andere wirkt. Und bitte lassen Sie sich keinen Honig um den Bart bzw. um die Lippen schmieren, sondern bitten Sie um echtes Feedback. Dann nehmen Sie sich bitte nicht vor von heute auf morgen ein völlig neuer Mensch zu werden. Das wird Ihnen nicht gelingen, denn Ihr innerer Kritiker und Ihr innerer Schweinehund, die sich da innerlich gegenüberstehen, sind auch nur Menschen – und auch hier gilt: Beziehungen verändern Menschen! Seien Sie also nicht zu hart zu sich selber, sondern nehmen Sie sich 3 Schritte vor, die Sie in den nächsten 3 Wochen umsetzen wollen, jede Woche nur einen einzigen davon, dafür aber konsequent. Zur Erinnerung kleben Sie sich einen Zettel an Ihren Spiegel im Badezimmer. Ein Schritt könnte z.B. sein eine ganz bestimmte destruktive Verhaltensweise künftig unterbleiben zu lassen. Ein weiterer könnte sein, ein konstruktives zwischenmenschliches Ritual neu einzuführen. Wenn Sie Ihr eigenes Verhalten ändern, ändern sich damit langsam auch Ihre Einstellungen und Haltungen! Und das wiederum stabilisiert Ihr neues Verhalten und lässt Sie wachsen.  Ihr ganzes Umfeld wird anders auf Sie reagieren und sich ebenfalls langsam ändern. Seien Sie gespannt…

Herzlichst,

Robert Anatol Stein

(c) all rights reserved by Robert Anatol Stein, 2013

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Liebe entfachen

Wir alle wissen, wie es sich anfühlt, wenn man liebt. Nein, ich meine nicht das vorübergehende Verliebt-Sein, ich meine das richtige Lieben. Wir kennen die Liebe zu den Eltern, Geschwistern und zu Partnern, zu den eigenen Kindern, zu Freunden, aber ebenso die Liebe zu Tieren, Pflanzen und zu Mutter Erde. Sie fühlt sich warm, wohltuend und friedlich an. Sie ist gewissermaßen die positivste Form des Bewusstseins, das Hinnehmen der Dinge wie sie nun einmal sind, ohne Zweifel, ohne Kritik, ohne Bedingungen. Das Eins-Sein mit den Dingen.

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Wird eine Liebe nicht erwidert, so gerät sie nicht ins Fließen und stirbt bald wieder ab. Oft wird unerfüllte Sehnsucht nach Liebe mit der Liebe selbst verwechselt. Die Sehnsucht nach Liebe macht blind und verschließt unsere Herzen. Liebe jedoch nährt sich aus der Offenheit der Herzen. Liebe, die in ein Herz nicht vordringen kann, kann auch nicht aus ihm entspringen. Aber wenn sie einmal ins Fließen gerät, ist sie kaum zu stoppen. Manchmal reicht eine winzige Öffnung im Herzen, um das Wunder zu vollbringen. Doch wie schaffen wir eine winzige Öffnung? Wie erreichen wir die Menschen, die wir für hartherzig, verschlossen, arrogant, unnahbar oder gar gewalttätig halten? Schauen wir uns zur Beantwortung dieser Frage die „Symptome“ der Liebe an. Liebe wird stets begleitet von:

  • Vertrauen – denen, die wir lieben, vertrauen wir und die, die uns lieben, vertrauen uns.
  • Freiheit –  denen, die wir lieben, legen wir keine Fesseln an, denn nur wer frei ist, kann bleiben wie er ist, d.h. genauso, wie wir uns ursprünglich in denjenigen verliebt haben.
  • Wertschätzung – bedeutet Liebe nicht nur zu spüren, sondern auch immer wieder zu zeigen, wie z.B. durch Dankbarkeit, Nähe, Zärtlichkeit oder einfache Gesten wie ein Lächeln, eine Begrüßung, oder ein ausdrucksvoller Blick im richtigen Moment.
  • Achtsamkeit – bedeutet stets aufmerksam zu sein nicht zu kränken oder zu verletzen. Worte und Gesten sind mächtig und können kränken – ebenso wie ausbleibende Worte und Gesten in bestimmten Situationen sehr kränken können. Die Achtsamkeit ist der Spürsinn des Herzens.
  • Nachsicht – bedeutet Fehler zuzugestehen und Taten zu verzeihen fest im Glauben, dass Wachstum nicht durch Strafen und Sanktionen erreicht werden kann, sondern immer nur durch Liebe.
  • Gemeinsinn – bedeutet für liebende Menschen immer wieder zusammenkommen und ihr Liebesbewusstsein zu bündeln und dabei diejenigen „einzufangen“, in denen die Liebe noch nicht im Fluss ist und die derer daher am meisten bedürfen.

Es mag sein, dass es sehr schwerfällt jedem Menschen die oben genannten Geschenke zu machen.  Wir alle kennen und fürchten Menschen, die nahezu ohne Liebe im Herzen leben. Und dennoch sind die oben genannten „Symptome“ der Liebe systemisch betrachtet umgekehrt auch die Auslöser bzw. die „Entfacher“ der Liebe. Sie sind in der Lage einen winzigen Zugang zum Herzen zu nutzen und die Liebe wieder ins Fließen zu bringen. Selbst dem uns unangenehmsten Zeitgenossen, z.B. einem rücksichtslosen Gesetzesbrecher, können wir zumindest eines der obigen Geschenke machen. Fällt uns beispielsweise das Entgegenbringen von Vertrauen oder Wertschätzung noch schwer, so können wir doch zumindest verzeihen (Nachsicht) oder denjenigen in die Gemeinschaft integrieren. Eines der oben genannten Geschenke kann ein jeder machen, solang die eigene Liebesenergie noch im Fluss ist.

Was die Liebe ihrem Wesen nach ausmacht, erzeugt sie auch erst – ganz ähnlich einem lodernden Feuer, das nur brennen kann, wenn es zumindest an einem Punkt ursprünglich einmal ganz heiß war. Ein winziger Funke genügt oft schon.

Alles Liebe,

Euer Anatol

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Sicherheit und Freiheit – unvereinbar?

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Soziale und ökonomische Sicherheit sowie das Ausleben sexueller Freiheit in einer klassichen (patriarchalen) Paarbeziehung zu leben, scheint unvereinbar. Das schaffen auf lange Sicht nur die Allerwenigsten.

Frauen wollen Sicherheit. Klar. Frauen bekommen Kinder und investieren unglaublich viel in ihren Nachwuchs. Das Wegbrechen der ökonomischen Absicherung und des Sozialsystems ist daher die reine Horrorvorstellung für sie. Aber sie hätten auch gerne Freiheit, aber eben nur, wenn sie die Sicherheit nicht gefährdet. Infolgedessen opfern sie die Freiheit zugunsten der Sicherheit. Das frustriert.

Männer wollen auch Sicherheit. Klar. Allerdings geht Ihnen tendenziell nichts über Ihre Freiheit. Rein biologisch investieren sie weniger in ihren Nachwuchs. In den meisten Fällen bleibt auch die soziale oder okonomische Investitionsbereitschaft weit hinter der der Frauen zurück. Männer fühlen sich in der klassichen Paarbeziehung oft unfrei und nicht selten opfern Männer ihre ganze ökonomische Sicherheit, um ihre ursprüngliche Freiheit wiederzuerlangen – wer „A“ sagt, muss auch „-limente“ sagen. Das frustriert auch.

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In der klassischen patriarchalen Paarbeziehung sucht die Frau also die Sicherheit ausgerechnet bei jemandem, der eher die Freiheit bevorzugt – kurios, nicht wahr?

Tja, das sind wohl zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle! Aber wie bekommen wir diesen systemischen Beziehungsmurks in den Griff? Sicherheit und Freiheit dürfen beziehungstechnisch nicht vermengt werden!

In matriarchalen bzw. matrilinearen Familien verbleibt jedes Kind in der Familie seiner Mutter, egal ob Frau oder Mann und findet dort lebenslange Sicherheit. Intim- oder Freundschaftsbeziehungen werden sowohl bei der Frau als auch beim Mann ausserhalb der Familien gelebt: Monogam, Polygam oder Promiskuitiv – kurz oder auf Dauer, je nach Belieben. Freiheit pur!

Herzlichst,

Anatol Stein

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Losgelöst von Mutter Erde

Wenn ich hierzulande durch die Landschaft spaziere, bemerke ich häufig, dass große, wirklich alte Bäume geschlagen werden, die  augenscheinlich vollkommen gesund waren. Mal mag es sein, dass irgendein Flächennutzungs- oder Bebauungsplan dort den Verlauf einer neuen Straße oder den Standort eines Gebäudes vorgesehen hat, mal soll eine Straße verbreitert werden. Andernorts will man damit angeblich „Sichtachsen“ schaffen, wieder woanders will man schlichtweg Holz verkaufen, weil die Gemeindekassen leer sind. Jedes Mal bin ich deswegen wirklich sehr traurig, weil hiermit ein großes, ehrwürdiges Lebewesen einfach so getötet wird und jedes Mal frage ich mich, warum wohl der Mann mit der Motorsäge anscheinend nichts Vergleichbares empfunden hat, was ihn von dieser Tat abgehalten hätte. Sicher gibt es auch Stürme, Erdbeben, Dürreperioden oder Schädlingsplagen, die einem Baum ein Ende bereiten können, aber dies hier ist notlose Gewalt gegen die Natur. Teilweise werden sogar ganze Landschaften vernichtet, z.B. im Tagebau. Genauso empfinde ich gegenüber Tieren, die in unwürdigsten, naturfernen und krankmachenden Bedingungen auf kleinstem Ort zusammengepfercht gehalten werden. Sie stehen in ihren eigenen Fäkalien und oft werden Sie unter größten Schmerzen gemästet (oder sogar „gestopft“) nur um dann einem sehr baldigen Tod entgegenzusehen. Kennen Sie die Bilder aus Schlachthäusern in denen lebende Rinder (oft misslingt die sofortige und schnelle Tötung) unter lautem Brüllen mit einem elektrischen Kreismesser bei lebendigem Leibe zerlegt werden? Die Schlächter haben sich davon in keiner Weise beeindruckt gefühlt. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso manche Menschen kein Erbarmen kennen. Wäre ich nicht bereits seit 15 Jahren Vegetarier, ich wäre es spätestens nach diesen Aufnahmen geworden. „Humanes“ Schlachten gibt es nicht.

Anderenorts wird hochoffiziell Müll vergraben, Abwasser ins Meer gekippt, Abgase in die Luft geleitet. Ich habe mich gefragt, wie es Menschen geben kann, die solche Entscheidungen tragen, mittragen oder sie anschießend bereit sind ausführen. Der Patriarchale Auftrag, den Besitz stets zu vermehren, und sich gegenüber anderen durchzusetzen zu müssen, liefert nur einen Teil der Antwort.  Man könnte all dies tun und dennoch versuchen so respektvoll wie möglich mit dem Leben  (wozu wir doch selber gehören)  und den natürlichen Ressourcen umzugehen, die uns doch schließlich am Leben erhalten. Doch warum existieren diese Skrupel nicht? Reine Unkenntnis können wir in der heutigen Informationsgesellschaft doch eigentlich nicht mehr vorschützen.

Ich bin zu folgendem Schluss gekommen: Die zunehmende Industrialisierung, Urbanisierung und Technisierung sowie die Einbettung in eine künstlich geschaffene Medienwelt bewirken eine nachhaltige Loslösung der Menschen aus Ihrer natürlichen Umwelt. Unsere Nahrung ist entweder hochgradig vorverarbeitet, oder sogar synthetischer Art (Süßstoffe, Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel). Immer weniger Menschen beteiligen sich selber an der mehrschrittigen Verarbeitung und Zubereitung der Nahrung von ihrer Gewinnung bis hin zu ihrem Erscheinen auf einem Teller. Die wenigsten Menschen haben die Nahrungsmittel, die sie verzehren, jemals in der Natur wachsen sehen oder schon mal selber in ihrer Urform berührt bzw. gestreichelt. Immer mehr Menschen begeben sich zur Erholung in künstliche Umgebungen, wie z.B. Wellness-Bereiche, Fitness-Studios und Shopping-Center oder  surfen zur Entspannung im Internet. Auch Urlaube werden zum großen Teil in naturfernen Hotelanlagen verbracht. Unsere Gehirne werden aus den Medien fast ausschließlich mit vorgefilterten und gezielt modifizierten Informationen gefüttert. Kaum etwas von dem, was wir aufnehmen, ist noch an seinem existenziellen Ursprung. Nichts wird angenommen wie es ist, nahezu alles wird zwanghaft verändert. Und über das, was nicht verändert werden kann, wird sich geärgert (z.B. das Wetter).

All das entfremdet uns mehr und mehr von der Natur und somit von Mutter Erde. Und diese Loslösung findet nicht nur körperlich, sondern auch emotional statt. Wir stehen im übertragenden Sinne nicht mehr mit beiden Füssen fest auf der Erde, sondern wir sind förmlich abgehoben und schweben ziel- und haltlos in uns umgebenden Blasen aus künstlich geschaffenen Bedürfnissen, künstlich geschaffenen Umgebungen und  technischen Krücken. Wir befinden uns nicht nur in diesen Blasen, sondern auch unser Gefühlsleben spielt sich darin ab und es endet an den Rändern der Blase.  Blasen, die jederzeit platzen können, da sie mit den Realitäten unserer Mutter Erde wenig zu tun haben. Das Jahrtausende währende Patriarchat mit seinen weitreichenden Konsequenzen, die kurioserweise als „Fortschritt“ oder „Wohlstand“ bezeichnet werden, hat die meisten von uns zusehends von Mutter Erde losgelöst.

Die meisten von uns hecheln durch eine anstrengende Arbeitswoche, um dann am langersehnten Wochenende alles nachzuholen, was man vernachlässigt hat: Familie, Freunde, Haushalt, Besorgungen – sich selber.  Wir werden mit Werbungsprospekten, Spam-Emails oder SMS überschwemmt, die wir nie haben wollten und ärgern uns darüber, dass die Technik um uns herum immer wieder versagt und wir viel Zeit darin investieren müssen, oder immer wieder auf Hilfe angewiesen sind. Wir spüren, dass uns die Technik in Abhängigkeiten getrieben hat, die uns viel mehr beschäftigt, belastet und permanent ablenkt, als dass sie uns dienlich ist. Das Internet, das Fernsehen und das kulturelle Angebot der urbanisierten Gesellschaft bieten uns so unglaublich viel Angebot für Ablenkung und Zerstreuung, dass wir darin fast verloren gehen und kaum filtern und bewerten können, was noch gut und was schon schlecht für uns oder unsere Kinder ist.  In der Folge konsumieren wir tendenziell kritiklos und ergeben uns wehrlos dieser erdrückenden Informationsflut. Die vielen Nachrichten, die uns aus aller Welt über die vielfältigen Medien erreichen, handeln von Verbrechen, Gewalt, Unfällen und Naturkatastrophen und überfordern unsere Empfindungsfähigkeit und unsere Empathie-Fähigkeit bei weitem. Infolgedessen schützen wir uns dagegen und machen uns emotional hart und kalt, lassen die Gefühle nicht mehr an uns heran. Darunter leidet unsere Handlungs- und Hilfsbereitschaft gewaltig, da wir in eine Haltung der Hilflosigkeit und Resignation geraten.

Vom Standpunkt der Evolution aus betrachtet lebten Menschen (wie andere Primaten auch) in recht kleinen überschaubaren Gruppen zusammen. Zwischen den meisten Gruppenmitgliedern bestanden verwandtschaftliche Beziehungen untereinander. In diesem Verbund wurde gemeinsam gelebt, gearbeitet, gesammelt, gejagt, später auch Boden bestellt oder Vieh gezüchtet. Insofern hat man in diesem Verbund auch immer genügend Zeit für Beziehungspflege gehabt.  Die Beziehungen waren eng und für das Überleben notwendig. Gegenseitige Unterstützung war eine Selbstverständlichkeit. Die Verbindung zur Natur und ihrem Rhythmus war innig, das Verhältnis von Körper und Geist ausgewogen und gut integriert. Die vorhandenen Sinnesreize waren intensiv, aber nicht überzählig oder verwirrend. Die Menschen empfanden Glück darin genügend Nahrung, Wärme und den Schutz der Gruppe zu erhalten sowie Zuneigung, Liebe und Sexualität frei ausleben zu können. Die übrige Zeit (insbesondere in langen Wintern) konnte mit Handwerk, Kunst und Spiel aufgefüllt werden. Dieses Leben im Kontext kleiner Systeme, in denen die Konsequenzen eigenen Handelns erfahrbar und erlebbar bleiben, ist es, wofür Menschen mit ihren kognitiven Möglichkeiten ursprünglich geschaffen sind.

Eingebettet in eine ungeheuerlich komplexe, globalisierte Industriegesellschaft, in der weder der Weg dessen, was wir konsumieren, noch der Weg dessen, was wir wegwerfen, nachvollzogen werden kann, gewinnen wir weder ein tiefes Verständnis davon, noch übernehmen wir Verantwortung dafür. Um dieser Komplexität Herr zu werden arbeitet unser Gehirn mit symbolhaften Abstraktionen, um diese auf ein greifbares Maß zu reduzieren. Dabei werden natürlich die Details ausgeblendet. Gerade dieser Wirrwarr von Abstraktion ist es, der uns Gesamtzusammenhänge verschleiert und irgendwann nicht mehr hinterfragen lässt. Wer wäre schon in der Lage die vielfachen Einflüsse und deren Konsequenzen tatsächlich zu durchschauen, die unser komplexes Leben voller künstlicher Einflüsse und chemischer Substanzen charakterisieren. Allein z.B. die Ursache für die Zivilisationskrankheit „Allergie“ zu finden, tut man sich schwer. Vor 200 Jahren war sie noch kein Thema. Meistens endet die Ursachenforschung an einem neuerlichen Symptom, das dann zur Ursache erklärt wird.

Hand aufs Herz, wenn Sie etwas scheinbar so harmloses tun, wie zum Beispiel am Bahnhof einen Becher Kaffee zu kaufen, denken sie dabei daran, dass Mehrzahl der auf unserer Erde lebenden Menschen keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser hat? Oder geht ihnen dabei die Hormon- und Schwermetallbelastung des Grundwassers, mit dem der Kaffee bereitet wurde, durch den Kopf? War es Ihnen egal, ob das Wasser für den Kaffee ggf. mit Atomstrom erhitzt wurde? Oder hinterfragen sie, ob der Becher wirklich rückstandsfrei „recycled“ werden kann, bzw. ob der Plastikdeckel des Bechers möglicherweise mit Erdöl aus der Arktis, einem der letzten bisher unberührten Gebiete dieser Erde hergestellt wurde? Haben sie vielleicht sogar auf den Deckel und den Rührstab verzichtet um Abfall zu sparen? Nicht? Dann könnte der hölzerne Rührstab aus einer der neuerdings wieder abgeholzten Buchen heimischer Wälder gefertigt sein. Und haben sie daran gedacht, dass die Kaffeebauern in den Herkunftsländern so wenig an ihrem Kaffee verdienen, dass sie trotz der Knochenarbeit in schlimmster Armut leben müssen? Oder daran, dass die Abwässer, die nach dem Kaffeegenuss durch Sie selber entstehen, aufwändig unter Einsatz von Energie und Hochtechnologie wieder gereinigt werden und wie und wo sie wieder ins Grundwasser gelangen? Vermutlich haben sie das alles nicht. Sie haben wahrscheinlich ganz einfach einen Becher Kaffee genossen und waren schon damit beschäftigt ihren anstehenden Geschäftstermin vorzubereiten, wie es sich für einen Menschen, der ja für kleine, überschaubare Systeme geschaffen ist, gehört. Sie brauchen jetzt kein schlechtes Gewissen zubekommen, denn das war nicht meine Absicht. Mir jedenfalls wäre das alles auch nicht in den Sinn gekommen, denn es hätte jeden zeitlichen Rahmen gesprengt und meine  Empathie-Fähigkeit maßlos überfordert, mit meinem Becher Kaffee die arktischen Eisbären zu bedrohen, die kolumbianischen Kaffeebauern auszubeuten, die heimischen Buchenwälder zu gefährden sowie mich und meine Lieben der Gefahr eines atomaren Supergaus auszusetzen. Also blende ich das alles aus und trinke einfach nur Kaffee. Hätte ich es nicht ausgeblendet, hätte ich mich für ein anderes Getränk entschieden und gerate damit in eine neuerliche Komplexitätskette von moralischen Zwickmühlen.

Ein Leben in einer patriarchalen Industriegesellschaft bietet einem kaum Möglichkeit ihr zu entkommen. Jede noch so engagierte ökologisch-alternativ orientierte Mutter wird irgendwo zwischen die Zahnräder der Konsumgesellschaft geraten und zähneknirschend ihre Bio-Äpfel in einer Plastiktüte in die Hand gedrückt bekommen, während ihr behütetes, sorgsam mit Bio-Vollwertkost ernährtes Kind in einem unbemerkten Augenblick  einen vor Chemikalien nur so strotzenden Dauerlutscher geschenkt bekommt, der im Dunkeln leuchtet und die Zunge tagelang grün färbt. Aber schauen wir noch einmal kurz auf das Leben unserer Ahnen, einem Leben in einer natürlichen Umgebung mit Bodenhaftung, eingebunden in den Kreislauf der Natur und mit ihr verschmelzend, einem Leben, das tatsächlich „erlebbar“ ist und uns Mensch sein lässt. Wenn wir uns umsehen, wer führt in der westlichen, so „fortschrittlichen“ Welt auch nur annähernd ein solches Leben? Niemand. Wenn ich mich umsehe, sehe ich immer wieder unzufriedene, neurotische, hartherzige, rachsüchtige, suchtkranke, egoistische, manisch versessene, gewalttätige, fettleibige, magersüchtige, depressive, geistig oder körperlich verkümmerte Menschen. Das waren sie aber nicht von Geburt an, sondern es sind die vielfältigen seelischen und körperlichen Folgeerscheinungen einer ansteckenden Krankheit namens „Patriarchitis“, die am Fließband einsame, verletzte Menschen ohne Bodenhaftung produziert. Wir Menschen der patriarchalen Industriegesellschaft haben uns losgelöst von Mutter Erde, der Quelle unserer Existenz. Die Loslösung von Mutter Erde ist auf Dauer tödlich für alles Leben, das gegenwärtig auf diesem Planeten existiert.

Herzlichst,

Anatol Stein

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Die pervertierte Evolution

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Heute Morgen habe ich in den Nachrichten einen Bericht über Verkehrsunfälle gesehen, die durch Wildwechsel auf Deutschlands Straßen ausgelöst werden. Es ist gerade Paarungszeit und „liebestolle“ Tiere wechseln unerwartet die Fahrbahn. Es wurden eindrucksvoll die Konsequenzen eines Zusammenpralls eines Fahrzeuges mit einem Rehbock und dessen Auswirkungen auf die Karosserie vor Augen geführt. Die unglaubliche offizielle Gegenmaßnahme: Es werden optische Warnanzeigen an den Straßenrändern der gefährdeten Gebiete aufgestellt und es wird systematisch der komplette Rotwildbestand eingefangen und jedes Tier mit einem Halsband mit Funksender versehen und wieder freigelassen.  Wenn sich nun ein mit dem Funksender ausgestattetes Tier der Straße nähert, werden die optischen Warnanzeiger an den Straßenrändern aktiviert. Dies würde zumindest kooperativen Autofahren erlauben, rechtzeitig die Geschwindigkeit zu reduzieren, so der Plan.

Ich werde gar nicht die Frage stellen, was mit den Tieren geschieht, die nicht mit Sendern ausgestattet wurden, oder was auf der Mehrzahl der Straßen geschieht, die nicht mit diesen Warnanzeigern ausgestattet sind. Auch werde ich nicht fragen, was geschieht, wenn die Stromversorgung der Sender zur Neige geht oder wenn sich die Tiere mit den Halsbändern an Ästen oder Zäunen verfangen.

Vielmehr werde ich fragen, warum die primäre, patriarchale Strategie immer wieder die ist, die Umwelt an menschliche Bedürfnisse anzupassen und nicht umgekehrt? Was für ein kurzsichtiger Wahnsinn! Immer wieder greifen wir partiell in genau ein Ursache-Wirkungs-Paar eines gigantischen, natürlich gewachsenen, genau ausbalancierten Klima- und Ökosystems ein und wundern uns, warum wir meist ganz an unerwarteter Stelle dafür fünf bis zehn neue, unerwünschte Symptome erzeugen! Wie wenig Respekt bringen wir unserer Lebensgrundlage entgegen und wie arrogant ist es zu glauben, all die entstehenden Folgeprobleme immer wieder in den Griff zu bekommen?

Viele dieser Eingriffe sind sogar wider besseren Wissens: Wir wissen, dass die rigorose Verwendung von Erdöl und die Abholzung des Regenwaldes unserem Weltklima den absoluten Todesstoß verleihen und dennoch tun die wenigsten etwas dagegen. Es wird weiter Benzin-Auto gefahren, Flugzeug geflogen. Bereits jetzt ist die Reise ins Verderben nahezu unwiderruflich. Wir selber spüren bereits die Folgen des Klimawandels und schon die Generation unsere Kinder und Enkel wird einem knallharten Überlebenskampf um Lebensraum und um knappe Ressourcen ausgesetzt sein.

Die matriarchale Geisteshaltung kennt diese Ignoranz nicht. Es ist ein Naturgesetz, dass man sich seiner Umwelt bestmöglich anpassen muss um zu überleben. Die ganze Evolution des Lebens ist auf diese Weise erfolgt. Erst das patriarchale System versucht dieses Naturgesetz zu pervertieren. Matriarchale Völker hingegen passen sich an ihre Umwelt an, nicht umgekehrt. Sie versuchen im Einklang und im Rhythmus der Natur zu leben und unserer Mutter Erde nur soviel zu entnehmen, wie einerseits unbedingt erforderlich ist und wie andererseits nachwachsen kann (Subsistenzwirtschaft).

Im anfänglichen Beispiel der Verkehrsunfälle mit Wildwechsel hätte dies bedeutet, dass man (wenn man schon motorisierten Individualverkehr überhaupt braucht)  zumindest an den Fahrzeugen technische Einrichtungen anbringt, die das Fahrzeug automatisch vor kreuzendem Wild und anderen beweglichen und unbeweglichen Hindernissen abbremsen. Hierzu kämen z.B. Dopplerradar- oder Wärmebildtechnik in Frage, deren Schutzwirkung sich nicht nur auf Kollisionen mit Wild, sondern auch mit Menschen oder anderen Fahrzeugen erstrecken würde. Die technischen Vorraussetzungen für solche Systeme sind mittlerweile längst vorhanden, jedoch wissen gewisse Lobbys solche Neuerungen seit langem effektiv zu verhindern…

Solange fahre ich lieber mit der Bahn oder dem Fahrrad und lasse unsere Wildtiere gefälligst in Ruhe, wenn Sie mich fragen.

Herzlichst,

Anatol Stein

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Denken Frauen anders als Männer?

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Meiner Erfahrung nach sind Frauen im Bereich emotionaler Intelligenz wahre Naturtalente. Dies ist nicht nur ein verbreitetes Klischee, sondern es lässt sich sogar biologisch erklären:

Im menschlichen Gehirn sind die Bereiche für Emotionen und rationales Denken in verschiedenen Gehirnhälften lokalisiert. Bei Frauen sind die beiden Gehirnhälften besser miteinander vernetzt, was dazu führt, dass bei Frauen Emotionen schneller in zielgerichtetes rationale Handlungsweisen überführt werden können und umgekehrt, dass ein ursprünglich rationaler Gedanke leichter zu einer starken Emotion führt. Zum Beispiel ist eine Frau weit eher dazu geneigt angesichts eines erschreckenden Fernsehberichts über die Zustände in deutschen Schlachthäusern künftig vollkommen auf den Verzehr von Fleisch zu verzichten (Emotion -> rationale Handlung). Andersherum betrachtet könnte z.B. die Nachricht, dass die beste Freundin schwanger ist, oder endlich eine besser bezahlte Stellung angenommen hat bei einer Frau durchaus zu Freudentränen führen (Rationale Information -> Emotion). Bei prototypischen Männern sind solche Verhaltensweisen eher selten bzw. schwach ausgeprägt.

Nicht nur die bessere Vernetzung der beiden Gehirnhälften begünstigt bei Frauen die Entwicklung der emotionalen Intelligenz sondern ebenso ein Netzwerk von im Gehirn verteilten, sogenannten Spiegelneuronen. Diese Neuronen haben nur eine Aufgabe: Emotionale Botschaften des Gegenübers zu erkennen und identische Emotionen im eigenen Gehirn zu erzeugen. Dabei liegt im Normalfall „affektive Resonanz“ vor, d.h. die Emotionen eines Gegenübers werden nicht nur richtig erkannt, sondern führen tatsächlich auch zum gleichen Gefühlsregung, d.h. Traurigkeit führt zu nachempfundener Traurigkeit und Ärger führt zum Ärger (manchmal ärgern wir uns mit, manchmal kurioserweise auch über den sich ärgernden). Ein biologischer Mechanismus, der für das soziale Phänomen der Empathie verantwortlich ist. Dieses System von Spiegelneuronen wird trainiert durch intensive soziale Interaktion mit anderen Menschen und insbesondere auch durch den Umgang mit Kleinkindern und Babys, die zu Beginn fast ausschließlich non-verbale, emotionale Botschaften versenden. Intuitiv bevorzugen Mädchen soziale Spiele (Puppen, Mutter-Vater-Kind) und trainieren so unbewusst ihr Spiegelneuronen-System, während Jungen – zumindest in unserer patriarchalen Welt – technische, oder bewegungsorientierte Spiele bevorzugen und dabei andere Hirnfähigkeiten trainieren. Empathie ist die Möglichkeit ohne Worte die Bedürfnisse anderer zu erkennen und ist der Auslöser für Verständnis, Mitgefühl und der Fähigkeit zum Perspektivenwechsel. Sie motiviert uns zu helfen, zu beschützen, zu versorgen und zu vertrauen.

Letzteres erklärt unter anderem, warum der Frauenanteil in sozialen Berufen wie z.B. Erzieherinnen, Alten- und Krankenpflegerinnen über 90% beträgt, die zeitgleich – zumindest in unserer patriarchalen Welt – zu den mit am geringsten entgoltenen Berufsgruppen gehören. Was für ein bezeichnendes Symptom der patriarchalen Welt, die Fähigkeit Maschinen und technische Geräte in Gang zu halten wird somit als wertvoller angesehen, als die Fähigkeit Menschen gut zu versorgen und zu betreuen. Mich selber macht das allein schon traurig, aber es ist nur eines von sehr vielen, unfassbar menschenfeindlichen Symptomen des Patriarchats.

Fehlt den Männern am Ende nur die erforderliche Emphatie und die affektive Resonanz, sich endlich ebenfalls gegen diese Ungerechtigkeit gegenüber den Frauen aufzulehnen?

Herzlichst,

Anatol Stein

© All rights reserved by Robert Anatol Stein, 2013

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Die Abwertung des Weiblichen

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Patriarchale Männer nehmen Frauen und insbesondere Mütter in ihren Verhaltensweisen als fremdartig bzw. andersartig wahr. Ein großer Anteil unseres geschlechtsspezifischen Verhaltens ist den „patriarchalen Grundverletzungen“ bzw. der unterschiedlichen Sozialisierung geschuldet, die zur Abspaltung genau solcher Persönlichkeitsanteilen führt, die jeweils als gegengeschlechtlich gelten. Aber ganz sicher beeinflussen auch die Geschlechtshormone unser Verhalten (siehe Artikel zur Testosteronvergiftung). Je schwächer z.B. Männer in ein familiäres und soziales Umfeld eingebunden sind und je mehr Konkurrenzdruck und Wettbewerb sie dabei ausgesetzt werden, umso höher fällt ihr Testosteronwert aus. Umgekehrt betrachtet, führt ein höherer Testosteronwert wieder zu dominanterem und aggressiverem Verhalten, welches in sensiblen Sozialgefügen Konkurrenz und Konflikte heraufbeschwört. Systemisch zirkulär betrachtet wird hier eine Wirkung wieder zur Ursache und die Wirkung dabei wiederum verstärkt. Ursache und Wirkung sind darin irgendwann kaum mehr zu unterscheiden: Das bekannte Henne-Ei-Problem, ein Muster, das sich auch in der Gestaltung von Beziehungen immer wieder finden lässt.

Wenn ein Mann extrem wenig oder gar kein Testosteron mehr produziert, „verweiblicht“ er, so die gängige Lehrmeinung und auch Volksmeinung. Diese Sichtweise ist sehr seltsam, denn ein Mann beginnt weder Östrogen zu produzieren, noch beginnt er deswegen seine sexuelle Ausrichtung umzukehren, noch verschwinden seinen primären Geschlechtsmerkmale. Lediglich die Körperbehaarung/der Bartwuchs werden geringer und die Muskulatur und Zeugungsfähigkeit nehmen ab. Es tritt also vielmehr eine „Rückentwicklung“ bzw. „Verkindlichung“ ein, als ausgerechnet eine „Verweiblichung“. Aber woher dann dieser irrige Glaube?

In traditionell patriarchaler bzw. männlicher Sichtweise ist das „weiblich sein“ und das „kindlich sein“ nahezu dasselbe! Die geringe Körperbehaarung der Frau, insbesondere der fehlende Bartwuchs, die höhere Stimme, der kleinere Wuchs, sowie die geringer ausgeprägte Muskulatur haben diese irrtümliche Idee jahrhundertelang genährt ebenso wie der Machtgewinn, der den Männern daraus erwachsen ist. Die Frau wurde kurzerhand entmündigt und genau wie das Kind zum Besitz erklärt. Das Weibliche hatte in traditionellen Patriarchaten nie eine eigene, vom Kindlichen unterschiedene Stellung, was dem Männlichen eine geradezu omnipotente Position verschaffte. Unsere Sprache und ihre Verwendung drückt dies an unzähligen Stellen aus. Und die Sprache besitzt eine gewaltige  Macht, denn sie formt Gedanken und Gedanken formen und formulieren wiederum die Sprache. Wieder ein Kreislauf, in dem systemisch zirkulär betrachtet Ursache und Wirkung ineinander verschwimmen. Im Deutschen drückt sich die Omnipotenz des Männlichen z.B. durch die Anrede „Herr Schulze“ und „Frau Schulze“ aus. Warum nicht vollkommen symmetrisch „Mann Schulze“? (siehe hierzu auch die Initiative Anrede Mann).

Die Abwertung des Weiblichen zum Kindlichen war nicht nur der größte Irrtum des patriarchalen Mannes, sondern auch der Kern einer Jahrtausende währenden patriarchalen Unterdrückungsideologie. Sie wurde dabei ganz maßgeblich durch biblische Glaubenssätze und Metaphern, in denen z.B. die Frau aus Adams Rippe hervorgegangen sein soll, unterstützt und weiter verstärkt. Es soll an dieser Stelle nicht versäumt werden zu erwähnen, dass die Abwertung an sich ebenfalls nur eine Folge patriarchaler Geisteshaltung ist. In matriarchalen Gesellschaften gibt es kein „wertendes Vergleichen“. Jedes Familienmitglied hat hier den gleichen „Wert“, egal ob Kind, Frau oder Mann, ganz gleich ob gesund oder behindert.

Das Weibliche besitzt ganz im Gegensatz zur patriarchalen Ideologie eine vollkommen eigene, spezifische, schöpferische und spirituelle Dimension. Evolutionsbiologisch muss man sogar konstatieren, dass das Männliche in der Entwicklungsgeschichte erst aus dem Weiblichen hervorgegangen ist, da das Prinzip der Sexualität eine neuere Erfindung unserer Mutter Erde ist, die eine schnellere und zielgerichtete Anpassung des Lebens an sich wandelnde Lebensbedingungen ermöglicht. Dankbar,  respektvoll und zugleich voller Liebe und Verehrung sollten wir dem Weiblichen wieder dem ihm gebührenden Platz in unserer Welt und unserem Wertesystem zuteil werden lassen.

Herzlichst,

Anatol Stein

© All rights reserved by Robert Anatol Stein, 2013

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