Liebe versus Anerkennung

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Liebe erfahren die meisten von uns zuerst durch die Mutter, die uns auf die Welt bringt. Sie knüpft keinerlei Bedingungen an ihre Liebe und wir genügen ihr so, wie wir sind, obgleich wir noch überhaupt nichts können und sogar ständig voller Bedürfnisse sind. Selbstverständlich empfinden auch Väter Liebe zu ihren Nachkommen, doch häufig mischt sich in unserer patriarchalen Welt sehr bald etwas anderes hinein, eine Art Erwartungshaltung, ein Druck bestimmten Wertmaßstäben zu entsprechen. Es wird verglichen und bewertet, korrigiert und kritisiert. Die Antwort des Kindes darauf ist oft Ehrgeiz, oder auch das intensive oder auch nur vage Gefühl nicht zu genügen, nicht vollkommen zu sein und sich für seine (scheinbare) Unvollkommenheit schämen zu müssen. Krankmachende Gefühle, deren kurzfristiges Gegengift immer wieder die Anerkennung ist. Doch wirkt das Gegengift nur kurz. Schon bald sind die krankmachenden Gefühle wieder da. Es entsteht eine ständige Abhängigkeit, denn unser Selbstwert ist nun Erfolgs-und Anerkennungsabhängig. Doch wo ist zwischen all dem die anfängliche Liebe der Mutter geblieben?

Bedingungslose Liebe wird in unserer patriarchalen Welt als wenig wertvoll erachtet, da sie ja nichts kostet. Aber nur, was etwas kostet, kann im Wertesystem der patriarchalen Welt auch etwas wert sein. Anerkennung hingegen kostet uns viel. Sie kostet uns Mühe, Würde und Lebendigkeit:

  • Sie kostet uns die Mühe sich ständig zu verbiegen, Dinge zu tun, die man eigentlich nicht will und zu werden, wie man eigentlich nicht ist.
  • Sie kostet uns die Würde sich ständig demütigen zu lassen, indem wir ständig bewertet und mit anderen verglichen werden.
  • Sie kostet uns Lebendigkeit, weil die Lebensenergie durch das Verbiegen, Verleugnen & Ertragen von Demütigungen verbraucht wird („emotionale Panzerung“).

Wir lernen also schon recht früh Anerkennung der Liebe vorzuziehen und erst spät ahnen wir, dass wir dabei ganz fürchterlich betrogen wurden. Das Lechzen nach Anerkennung, auch die Anerkennung unserer selbst vor unserem eigenen kritischen Auge machen uns krank. Die verlorene Selbstachtung und Selbstliebe bringt uns ein Leben lang ins wanken, lassen uns fürchterlich ermüden und schnell altern. Ebenso projizieren wir unser Inneres auf die Außenwelt,wir bewerten und verurteilen und nutzen Anerkennung als Machtmittel, indem wir diese entziehen oder sparsam dosiert gewähren. Dabei schrumpfen unser Herz und unsere Liebesfähigkeit.

Anerkennung ist ebenso wenig nachhaltig wie unsere patriarchale Welt, da sie gebunden ist an zu erbringende Leistung und an zu erbringende Opfer. Liebe hingegen ist nachhaltig. Sie ist gleichsam einer Form von Energie. Sie ist frei und sie fliesst. Liebe kann man weder speichern noch anhäufen. Die Liebe, die man erhält, gibt man weiter bzw. wieder zurück. Tut man es nicht, versiegt der Fluß der Liebe. Insofern ist Liebe etwas vollkommen Reines, frei von Manipulation, Täuschung oder egoistischen Motiven. Liebe kann auch nur dann fließen, wenn man beginnt sich selber zu lieben, sonst kann die Liebe nicht durch uns hindurch fliessen und wir können sie auch nicht weitergeben. Man kann andere nur dann wirklich lieben, wenn man eine gute Beziehung zu sich selber hat, sich also selber liebt. Liebt Euch selbst und ihr werdet geliebt werden und Liebe für alle anderen empfinden können.

Herzlichst,

Euer Anatol

(c) by Robert Anatol Stein, 2013

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Die Testosteronvergiftung – Mythos oder Realität?

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“Everyone knows that testosterone, the so-called male hormone, is found in both men and women. What is not so well known, is that men have an overdose… Until recently it has been thought that the level of testosterone in men is normal simply because they have it. But if you consider how abnormal their behavior is, then you are led to the hypothesis that almost all men are suffering from testosterone poisoning.”, 1975, Alan Alda, [1]

Es stimmt etwas nicht mit der Welt, das spüren Viele. Krieg, Gewalt, Zerstörung, rücksichtsloser Umgang mit Menschen, Tieren und natürlichen Ressourcen überall um uns herum. Doch was lässt die Menschheit so krampfhaft festhalten an dieser Tendenz zur Selbstzerstörung? Was stabilisiert diese patriarchalen Strukturen scheinbar so unabänderlich? Sicher gibt es hierfür triftige soziologische, psychologische (und auch politische) Gründe hierfür, zwei Hypothesen will ich hierzu kurz andeuten:

Psychologisch betrachtet vollzieht sich im Patriarchat ein „seelischer Muttermord“, der in der Seele kleiner Jungen zu einem rigorosen Werteverfall mütterlicher bzw. matriarchaler Ideale führt (Fürsorglichkeit, Unbedingte Liebe, Nachsicht, Mitgefühl, Gemeinsinn, Gefühlsbetonung, Spiritualität, Naturverbundenheit). Jungen wird die patriarchale Mannwerdung verwehrt, wenn sie nicht innerlich mit diesen mütterlichen Werten brechen und somit die Mutter seelisch abspalten. Es beginnt mit „Jungs weinen doch nicht…“. In der Kompensation dieser systembedingt „anerzogenen“ Defizite entwickeln sich patriarchal-aggressive, rationalisierende und gefühlsverarmte Männer, die das Recht des Stärkeren leben und den Bezug zur Natur und zur Quelle ihrer Existenz vollkommen verloren haben.

Soziologisch betrachtet bietet eine patriarchale Kleinfamilie kein geschütztes, an kindlichen Bedürfnissen orientiertes Umfeld. Die Kinder geraten meistens zwischen die Fronten der Konflikte ihrer mit Erwerbstätigkeit, Haushaltsführung und Erziehung ständig überforderten Eltern, die zumeist selber aus zerrütteten oder zerbrochenen Familien entstammen. Auch die Beziehungsenge und der Mangel an sexueller Selbstbestimmung lässt die patriarchale Kleinfamilie häufig scheitern. Familiäre Gewalt, Trennungsschmerz und Beziehungsvakuum produziert ohnmächtige, seelisch verletzte Kinder, die das Ideal sozialer Kompetenz, dem sie sich als Erwachsene hätten nähern sollen, selber niemals kennengelernt haben und solche, die entstandene innere Leere mit Konsum, Drogen und Zerstreuung oder auch mit Reichtum und Macht zu stopfen versuchen.
Diese Umstände allein scheinen im Patriarchat schon sehr systemerhaltend zu wirken und doch glaube ich persönlich noch an einen weiteren stabilisierenden Faktor, den ich in im Folgenden als Hypothese vorstellen will:
Körper, Geist und Seele sind schon auf Wilhelm Reich – den Begründer der Körperpsychotherapie – zurückgehend als eine Einheit zu betrachten. Konflikte, Geisteshaltungen und seelische Zustände wirken sich unmittelbar auf den Körper aus und somit auch auf das Endokrine System unseres Körpers. Testosteron gilt als das Männlichkeitshormon. Es ist bei Männern in etwa 10 bis 20-facher Konzentration im Blut enthalten als bei Frauen. Trotz dieser ungleichen Verteilung sorgt es bei beiden Geschlechtern gleichermaßen für den sexuellen Trieb und das Lustempfinden. Bei Männern sorgt die weit höhere Dosis für die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale, d.h. tiefere Stimme, Bartwuchs, Körperbehaarung und eine stärker ausgeprägte Muskulatur, sowie einen höheren Grundumsatz und somit einer leicht höheren Körpertemperatur. Zahlreiche Studien belegen auch eine positive Korrelation von Testosteron mit sozialer Dominanz, Aggressivität und auch Gewaltbereitschaft (siehe z.B. Mazur, [2], McDermott, [3]). Eigenschaften, die übrigens auch bei anderen männlichen Säugetieren mit der Wirkung dieses Hormons in einen ursächlichen Zusammenhang gebracht werden, was (neben anderen Motiven) auch die häufige Anwendung der chirurgischen Kastration bei männlichen „Nutztieren“ (z.B. Hengste, Stiere) aber auch Haustieren (wie z.B. Rüden, Katern) erklärt. Die Bereitschaft in den Kampf zu gehen, mag in der Evolution bei der Partnerwahl ein Selektionsvorteil gewesen sein, da die Position des „Alphamännchens“ für dieses Individuum tatsächlich eine höhere Fortpflanzungsquote sicherte. Allerdings wird ein hoher Testosteronwert auch mit einem erhöhtem Verletzungsrisiko, einem höheren Energieverbrauch, einer geringeren Lebenserwartung sowie einem insgesamt schlechteren sozialen Gruppenzusammenhalt durch die ständigen Konkurrenzkämpfe bezahlt. Allein deswegen hat die Evolution auch andere Strategien entwickelt, wie z.B. bei unseren nächsten Verwandten, den Bonobos, die nach heutigem Verständnis matriarchal leben und die uns überraschenderweise in vielen Eigenschaften noch weit ähnlicher sind als die Schimpansen. Hierzu zählen zum Beispiel die Tatsachen, dass die Bonobos neben den Menschen die einzige Art ist, die sich ebenfalls von Angesicht zu Angesicht paaren kann und auch, dass sie besonders leicht an den gleichen Krankheitserregern erkrankt, an denen auch Menschen erkranken. Die Männchen der Bonobos gelten als weit weniger aggressiv und dominant als die Männchen ihrer nahen Verwandten, den Schimpansen. Letztere führen Konkurrenz- und Machtkämpfe untereinander aus bei denen die Weibchen ganz unten in der Rangordnung stehen und sogar häufig von den in der Gruppe lebenden Männchen verprügelt werden. Nicht so bei den Bonobos, hier spielt der Sex und der Austausch von Zärtlichkeiten bei der Lösung von Konflikten und dem Abbau von Spannungen eine wichtige Rolle. Doch für dieses abweichende Verhalten könnte möglicherweise auch ein biologischer Grund vorzuliegen: Wie ein Forschungsteam des Max-Planck-Institutes unter der Leitung des Zoologen und Bonobo-Forschers Gottfried Hohmann anhand von Urinproben feststellen konnte, besitzen Bonobo-Männchen im Schnitt deutlich geringere Testosteronwerte als männliche Schimpansen, siehe [7]. Demzufolge hätten Bonobo-Männchen auch einen gänzlich anderen Pubertätsverlauf und würden nicht das für junge Schimpansen-Männchen typische Imponier- und Dominanzverhalten zeigen. Diese Strategie der Evolution erlaubt nur besonders friedfertigen Männchen die Fortpflanzung, da sich die ranghöheren Weibchen bevorzugt solche Männchen zur Paarung auswählen, mit denen sie zuvor befreundet sind. Wie wir sehen, sind bereits bei eng verwandten Menschenaffenarten vollkommen verschiedene Prinzipien des Zusammenlebens zu finden. Ob der unterschiedliche Testosteronwert Ursache oder Folge dieses Unterschiedes ist, ist schwer zu sagen (Henne-Ei-Problem). Ziemlich sicher ist hingegen, dass die hohen bzw. niedrigen Testosteronwerte die aggressiven Verhaltensweisen der Schimpansen und die friedlicheren Verhaltensmuster der Bonobos jeweils stabilisieren: Testosteron führt zu aggressiverem Verhalten und aggressiveres Verhalten kurbelt wiederum die Testosteronbildung an, während geringe Testosteronwerte zu einem deeskalierenden Verhalten führen, es wird das Bindungshormon Oxytocin ausschüttet, welches Nähe und soziale Bindung fördert, was im Gegenzug den Testosteronspiegel wiederum senkt: Studien der Harvard University und der Northwestern University in Evanston (Illinois) haben gezeigt, dass Männer, die eng in Familien eingebunden sind und viele soziale Pflichten übernehmen, geringere Testosteronwerte aufweisen, als solche, die allein leben, , siehe [4] und [5]. In Matriarchaten sind Männer immer eng in das soziale Leben eingeflochten.
Studien haben auch gezeigt, dass ein gewalttätiges Umfeld bzw. die Situation mit anderen in Konkurrenz zu stehen bei Männern für eine höhere Testosteronkonzentration im Blut sorgt, wobei den höchsten sozialen Rang jeweils derjenige innehat, der die höchsten Dosen dieses Hormons im Blut hat – ein Mechanismus, der bei den Bonobos vollkommen außer Kraft gesetzt wurde und möglicherweise auch beim Menschen bei entsprechender Lebensweise außer Kraft gesetzt wird. Aufgrund der äußeren und genetischen Ähnlichkeit zwischen Bonobo und Mensch nehme ich an, dass nicht nur Bonobo-Männchen, sondern auch matriarchal lebende Männer im Schnitt geringere Testosteronwerte aufweisen und infolgedessen weniger dominant und weniger gewaltbereit sind. Umgekehrt führt die engere Integration von Männern in Konflikt- und gewaltarmen familiären Kontexten dazu, auch weniger Testosteron zu produzieren. Ein Nachweis wird sich in der Praxis vermutlich als schwierig erweisen, da die Männer in den wenigen noch existierenden matriarchalen Kulturen den stark patriarchalen Einflüssen ihrer Umgebung ausgesetzt sind. Zudem stellen die meisten existierenden matriarchalen Familienformen leider keine „Reinformen“ mehr dar, da diese über die Jahrhunderte immer mehr mit patriarchalen Elementen angereichert worden sind.
Angesichts der oben angeführten Überlegungen erhält der von Alan Alda in den Siebzigern geprägte Begriff einer „Testosteronvergiftung“ des Mannes eine neue Bedeutung: Er ist möglicherweise nicht nur eine gesellschaftskritische, provokative Wortschöpfung, sondern er besitzt möglicherweise ein auf endokrinologischen Tatsachen beruhendes Fundament. Aus der alltäglichen Erfahrung kennen wir weitere seltsame Asymmetrien zwischen den Geschlechtern, die hormonelle Ursachen zumindest vermuten lassen:

  • Männer erreichen Ihren Höhepunkt beim Koitus bereits nach 3-5 min, während Frauen im Schnitt 20 min. dafür benötigen.
  • Männer erscheinen in unserer westlichen Gesellschaft triebhafter als Frauen, was möglicherweise auch zur auffälligen Sexualisierung des weiblichen Geschlechts beiträgt.
  • Männer sterben im Schnitt 5 Jahre früher als Frauen, wobei dieser Unterschied statistisch aber nur etwa zur Hälfte mit einer ungesünderen Lebensweise zu erklären ist (d.h. höherer Tabak- & Alkoholkonsum).
  • Männer bekommen tendenziell Glatzen, da häufig eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber einem Testosteron-Abbauprodukt (DHT) besteht, während sonst kurioserweise i.d.R. eine weit stärkere Körperbehaarung vorliegt.
  • Männer leiden häufiger als Frauen schon in jungen Jahren unter der sog. „essentiellen Hypertonie“ (d.h. ohne Vorliegen einer zugrundeliegenden Erkrankung)

An die meisten dieser Asymmetrien haben wir uns schon so gewöhnt, dass sie uns vollkommen normal erscheinen, dass sie uns schon regelrecht als „typisch männliche“ Eigenschaften vorkommen. Aber könnten sie vielleicht nur eine Folge einer patriarchalen Überhöhung der Testosteronkonzentration im männlichen Körper sein? Einige der obigen Asymmetrien trotzen hartnäckig den Gesetzmäßigkeiten der Evolution:
Frauen müssten sich eigentlich bevorzugt mit Männern paaren, mit denen sie ihren sexuellen Höhepunkt überhaupt erreichen können. Die Eigenschaft an Männern, den eigenen Orgasmus länger als 20 min zurückhalten zu können, müsste sich demzufolge über die Zeit durchgesetzt haben, da sie einem Selektionsdruck unterliegt. Offensichtlich ist das aber zumindest statistisch gesehen nicht der Fall. Eine geringere Testosteronkonzentration im Blut des Mannes würde seinen Orgasmus länger hinauszögern, da die sexuelle (Über-) Erregbarkeit insgesamt herabgesetzt würde. Eine Verringerung der Erektionsfähigkeit wäre dabei noch längst nicht zu befürchten, da die Schwellkörper im männlichen Glied ja an dieses niedrigere Testosteron-Niveau gewöhnt wären (selbst vorpubertäre Knaben können bereits ihr Glied zur Erektion bringen!). Untersuchungsergebnissen der University of Washington (Seattle) zu Folge gibt es in Bolivien sogar einen Indianerstamm, die Tsimane, deren Männer lediglich ein Drittel der Testosteronwerte der Männer der westlichen Welt aufweisen, siehe [9]. Zeugungsfähig sind diese Männer freilich trotz dieses Umstandes!
Männer erscheinen – zumindest dem Klischee nach – in der westlich geprägten Gesellschaft triebhafter als Frauen. Blickt man hingegen in die Welt noch existierender Matriarchate, scheint der Trieb ausgeglichener zw. Mann und Frau verteilt zu sein. Meist ist es sogar die Frau, die hier den ersten Schritt machen muss. Dies mag natürlich auch kulturelle bzw. soziologische Ursachen haben, dennoch gilt als gesichert, dass das Testosteron in hohem Maße Einfluss auf das Triebverhalten hat.
Dem britischen Genetiker Steve Jones zu Folge schwächt Testosteron das Immunsystem und macht anfälliger gegenüber Krankheiten und provoziert risikoreicheres Verhalten. Männliche Kastraten lebten Jones zufolge bis zu 13 Jahre länger, siehe [8]. Ist auch dieses eine Spur einer möglichen patriarchalen Testosteron-Überdosis? Anders gefragt, würden Männer mit beispielsweise im Schnitt halb so hohen Testosteronwerten möglicherweise genauso so alt werden wie Frauen?
Die Menschen sind erst seit einigen Jahrtausenden sesshaft. Als Nomaden und Sammler haben wir den größten Teil des Tages bei Wind und Wetter unter freiem Himmel verbracht. Obwohl die Vorfahren der Menschen seit vielen Jahrtausenden Kleidung tragen, hat sich hartnäckig immer noch üppige Haupthaar gehalten, da über den Kopf im Vergleich zu anderen Teilen des Körpers ein vergleichsweise höherer Wärmeverlust auftreten kann. Ein anderer Grund besteht darin, dass volles Haupthaar auch schon bei unseren Vorfahren sowohl beim Mann als auch bei der Frau als Gesundheits- und Attraktivitätsmerkmal gegolten haben. Insofern war volles Haupthaar in beiden Fällen ein wichtiges Selektionsmerkmal. Wie kann es daher sein, dass der männliche Verlust des Haupthaares sich dermaßen ausbreiten konnte, wie es in unserer Kultur beobachtbar ist? Auch dieses Phänomen bringe ich mit dem von mir angenommenen, patriarchalen Testosteron-Überschuss in Zusammenhang. Anders ausgedrückt vermute ich, dass es bei normalen, d.h. beispielsweise halb so hohen Testosteronwerten bei Männern womöglich gar nicht mehr zur Ausbildung einer Glatze kommen würde.
Als letztes Indiz will ich das vermehrte Auftreten der essentiellen Hypertonie bei jungen Männern benennen, d.h. der Form der Hypertonie, die keine physiologischen oder organischen Ursachen hat und die daher nicht anders therapiert werden kann, als direkt am Symptom über die Gabe von Blutdrucksenkern. Wie Untersuchungen der Berliner Charite und der Universität Birmingham gezeigt haben, nimmt Testosteron Einfluss auf die Funktion der Nieren und des Salzhaushaltes, so dass mehr Natrium im Körper gebunden wird, siehe [6]. Das Vorhandensein von mehr Kochsalz im Blut erhöht den Blutdruck. Auch diese Tatsache könnte ein weiteres Indiz für einen realen Testosteronüberschuss der Männer in der patriarchalen Gesellschaftsstruktur sein. Die Testosteronkonzentrationen, die wir in der westlichen Kultur für normal halten, sind biologisch gesehen also in der Höhe gar nicht für das biologische Mannsein erforderlich. Aufgrund der patriarchalen Lebensweise, welche die Ablösung von der elterlichen Familie einfordert und das Konkurrenzdenken von frühester Kindheit in nahezu allen Lebensbereichen schürt, könnte der Testosteronwert bei den Männern seit Entstehung patriarchaler Strukturen (seit etwa der Bronzezeit), hochreguliert worden sein. Auch Studien neueren Datums haben gezeigt, dass Männer, die in einem sozial schwachen, von Gewalt geprägten Umfeld aufwachsen, später höhere Testosteronkonzentrationen im Blut aufweisen als Männer aus wohlbehüteten Verhältnissen.
Wenn diese These stimmte, würden sowohl patriarchale als auch matriarchale Gesellschaften somit nicht nur durch rein soziologische, sondern auch durch biologische Faktoren stabilisiert werden. Interessant und provokant ist dabei die Frage, ob ein künstlicher Eingriff in den Hormonhaushalt, den Übergang von einer in die jeweils andere Gesellschafts- bzw. Familienstruktur erleichtern, oder vielleicht sogar überhaupt erst ermöglichen würde?
Um Missverständnissen vorzubeugen will ich an dieser Stelle betonen, dass Testosteron nicht etwa die alleinige Ursache für Aggressionen oder destruktive Verhaltensweisen ist. Auslöser für Aggressionen gibt es bei beiderlei Geschlecht gleichermaßen und psychologisch gesehen haben sie auch bei beiden Geschlechtern die gleichen Ursachen, nämlich längerfristig unerfüllte Grundbedürfnisse (physiologisch, sozial, individuell) . Allerdings ist der Verlauf von Aggressionen unter Einfluss von Testosteron anders: Die Aggression neigt aus verhaltensbiologischen Gründen verstärkt in die körperliche Gewalt zu kippen und ist zudem korreliert mit dominantem Verhalten und der Festlegung von sozialen Hierarchien (bei Säugetieren: sog. Kommentkämpfe). Insofern ist Testosteron nicht gerade ein Hormon, das für Konsensdenken, Gleichberechtigung und Gewaltfreiheit steht, sondern in ausreichend hoher Menge für das jeweilige Gegenteil. Ein Umstand der sich zumindest intuitiv und im Bauchgefühl längst bestätigt sieht.
Sollte sich der 1975 von Alan Alda geschaffene Begriff des „Testosterone Poisioning“ („Testosteronvergiftung“) am Ende als biologische Tatsache erweisen? Wenn ja, könnte dies die Matriarchatsforschung um ein gutes Stück voranbringen und vollkommen neue Perspektiven eröffnen.

Herzlichst,

Euer Anatol Stein

(c) by Robert Anatol Stein, 2013

Quellen und Referenzen:
[1] Alan Alda, „What Every Woman Should Know About Men“, Ms., New York, October 1975
[2] Mazur, A. & Booth, A. (1998) Testosterone and dominance in men. Behavioral & Brain Sciences 21:353–397.
[3] McDermott, R. (2007) „Testosterone and Aggression in a Simulated Crisis Game“ The Annals of the American Academy of Political and Social Science, Vol. 614, No. 1, 15-33.(2007)
[4] http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/sexualhormon-ehemaenner-haben-weniger-testosteron-a-197795.html [5] http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/sexualhormon-vaterschaft-senkt-testosteronspiegel-im-blut-a-785935.html
[6] http://www.innovations-report.de/html/berichte/medizin_gesundheit/bericht-44241.html
[7] http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2011/0301/002_mann.jsp
[8] Jones, Steve (2002) „Y. The Descent of Men“, Little, Brown, London
[9] http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/tsimane-maenner-haben-ueberraschend-wenig-testosteron-a-824087.html

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Das duale Wertesystem im Patriarchat

Männer und Frauen sind ohne Zweifel recht unterschiedlich. Physiologisch ganz offensichtlich, aber auch in ihren Eigenschaften, Interessen, Fähigkeiten und im Verhalten. Viele der Unterschiede sind dem Umstand der patriarchalen Grundverletzungen geschuldet (z.B. „Jungs weinen nicht!“, „So benimmt sich ein Mädchen doch nicht!“) und der damit verbundenen, unterschiedlichen Sozialisierung. Aber viele der Unterschiede sind schlichtweg auf eine unterschiedliche Biologie zurückzuführen, die einerseits auf unterschiedlich wirksame Geschlechtshormone, oder auch auf die unterschiedliche Hirnentwicklung zurückzuführen sind. Da reale Unterschiede wirklich existieren, ist Gleichmacherei und Gleichbehandlung nicht überall angebracht. In den Anfängen der Emanzipationsbewegungen Ende des 19. Jahrhunderts, war Gleichbehandlung oberstes Gebot, da es um fundamentale Grundrechte ging, die sich die Frauen erst mühsam erkämpfen mussten. Mittlerweile kann jedoch beobachtet werden, dass auch die absolute Gleichbehandlung der Geschlechter vielerorts zu Unrecht und Ungerechtigkeit führt: z.B. hat ein nur am männlichen Körper orientiertes Gesundheitssystem jahrzehntelang zu Fehldiagnosen und falscher Medikamentendosierung bei Frauen beigetragen. Oder eine (bei beiden Geschlechtern) geringer entlohnte Kurzzeit- bzw. Teilzeitbeschäftigung trifft in der Praxis viel härter die Frauen, da letztere diese durch die faktisch vorhandene Mehrfachbelastung (Haushalt, Kinder, Job) viel häufiger in Anspruch nehmen. Oder der körperlich anstrengende Beruf eines Stahlarbeiters kann beispielsweise von vielen Frauen gar nicht wahrgenommen werden, obwohl er weit besser bezahlt wird, als beispielsweise der einer Erzieherin. Viel häufiger ist nicht Gleichbehandlung, sondern Gleichwertigkeit das Zauberwort, das Gerechtigkeit schafft. Gerade die patriarchalen Grundverletzungen sind es, die künstliche Unterschiede zwischen Frau und Mann zu kreieren und ganz subtil und schwer zu erkennen eben diese Gleichwertigkeit aushebeln. Als Konsequenz scheinen Frauen und Männer in der patriarchalen Welt tendenziell nach einem unterschiedlichen Wertesystem zu leben. Frauen tendieren augenscheinlich dazu ein sozialeres, friedlicheres, deeskalierendes Wertesystem zu besitzen als ihr männliches Gegenstück. Dieses weibliche Wertesystem wird gleichsam einer biologischen Notwendigkeit durch das Mutterwerden und Muttersein in hohem Maße verstärkt: Mütter gelten in der Mehrheit als fürsorglicher, zärtlicher, nachsichtiger, sozialer, gewaltloser und sie bevorzugen niemals eines ihrer Kinder. Eigenschaften, die man einem Vater nicht annähernd in gleichem Maße nachsagen würde. Väter gelten als diejenigen, die das Konkurrenzdenken und das Kräftemessen und den „gesunden Egoismus“ ins Spiel bringen. Mit zärtlichen Liebesbekundungen und Nachsichtigkeit tun sich viele schwer. Oft treten die Väter als Richter und Bestrafer in Erscheinung. Dieses durch patriarchale Strukturen am Leben erhaltene duale Wertesystem ist es, welches die Geschlechter entzweit. Das in einem anderen Artikel benannte „Hänschenklein-Trauma“, welches zwecks Mannwerdung die vollkommene Loslösung von der Mutter einfordert, bewirkt beim Jungen die Ablösung des mütterlichen durch das väterliche Wertesystem. Oder anders betrachtet, wird gerade diese Ablösung der Werte überhaupt als „Mannwerdung“ verstanden. Der männlichste Junge ist der, der die Stimme seiner Mutter in den Wind schlägt. Die innere Mutter wird abgespalten und ihre Gefühlswelt verschließt sich in der Wahrnehmung des Jungen. Aber Selbstverständlich ist die Welt nicht Schwarz-Weiß: Es gibt auch sehr viele Frauen und sogar Mütter, die sich des patriarchalen Wertesystems bedienen und umgekehrt gibt es auch zahlreiche Männer, die selbigem aus bestimmten biographischen Gründen wiederstehen. Aber die Tendenz ist klar: Im Patriarchat tendieren Frauen eher zu den matriarchalen Werten, Männer hingegen zu patriarchalen „Werten“ – mit den bekannten Konsequenzen.

Matriarchale Werte gegenübergestellt den patriarchalen (Un-) Werten:

  • Bedingungslose Liebe (vs. Anerkennung)
  • Fürsorglichkeit (vs. jeder für sich allein)
  • Nachsicht (vs. Korrektur, Strafe und Vergeltung)
  • Achtsamkeit (vs. Urteilen/Werten/Vergleichen, Verletzen, Ausgrenzen)
  • Vielfalt und Toleranz (vs. Nationalismus, Rassismus, Sexismus, Mobbing)
  • Gleichwertigkeit (vs. Status- und Klassendenken)
  • Gemeinsinn und Familiensinn (vs. Konkurrenz, Egoismus, Singlegesellschaft und Individualismus)
  • Teilen und Ausgleich (vs. Anhäufen von Macht, Geld und Besitz)
  • Konsensgesellschaft (vs. totalitäre Herrschaft, Schein- und Lobbydemokratien, Hierarchien)
  • Lebendigkeit (vs. emotionale Panzerung, Rigidität, Passivität, Gleichgültigkeit)
  • Gewaltlosigkeit (vs. Gewalt in allen gesellschaftlichen Bereichen)
  • Beziehungsfreiheit (vs. bedingungslose Monogamie und Besitzanspruch)
  • Natur- und Erdverbundenheit (vs. Fortschrittsglaube, Technisierung und Industrialisierung)
  • Spiritualität (vs. Rationalismus)

Herzlichst,

Euer Anatol Stein

(c) by Robert Anatol Stein, 2013

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Von Hexen, Sündenböcken und Saligen Frauen (Teil2)

Falls Sie, werter Leser, nicht wissen wer oder was die „Saligen“ waren, bitte googeln sie den Begriff doch rasch oder noch besser: Lesen Sie Teil 1 dieses Artikels, bevor Sie an dieser Stelle weiterlesen!

Gegen Ende 2012 ist der Film „Die Wand“ nach der Romanvorlage von Marlen Haushofer in die Kinos gekommen. Er erzählt die Geschichte einer Frau, die plötzlich allein in der Bergwelt der Alpen überleben muss und deren Einstellung zum Leben und zu sich selber sich dabei mit der Zeit grundlegend wandelt. Eine unsichbare Wand hindert sie für immer daran in ihre alte Welt zurückzukehren.

Als ich den Film gesehen hatte, drängte sich mir sofort die Assoziation zu den „Saligen“ oder „Wilden“ Frauen auf, die in den Sagen und Mythen der Hochalpenregionen verbreitet sind und die nach Heide Göttner-Abendroth und Hans Haid möglicherweise die zurückgezogenen Überbleibsel einer matriarchalen Hirtinnen-Kultur waren, bis sie später patriarchaler Gewalt zum Opfer fielen (z.B. Hexenverfolgung, siehe Teil 1 dieses Artikels). Die unsichtbare Wand, die in dem Film eine bedeutsame Rolle spielt, interpretiere ich in dieser Analogie als unüberwindbare kulturelle Barriere zwischen der patriarchalen Welt im Tal und der zurückgezogenen matriarchalen Kultur in den Bergen. Das Leben der Saligen war in den Tälern bedroht, denn alleinstehende Frauen galten in der patriarchalen Welt seit jeher als Prostituierte bzw als Freiwild. Eine Rückkehr war unmöglich. Die „Saligen“ waren naturverbunden, waren die „Beschützerinnen der Tiere“, verstanden sich aufs Buttern und Käsen und lebten völlig unabhängig von Männern, ganz so, wie die weibliche Protagonistin in „Die Wand“. Diese lebt mit einem Hund, einer Kuh, einem Kalb, 2 Katzen und einer verstossenen Krähe zusammen und ermöglicht allen das Überleben im Einklang mit der Natur, bis eines Tages wie aus dem Nichts ein Mann auf der Bildfläche erscheint, der ihr das Liebste nehmen will, das sie hat: Ihre Tiere. Er mordet zwei ihrer Tiere im Blutrausch mit einer Art Beil. Um die übrigen Tiere vor dem sicheren Tode zu bewahren, erschießt sie den Mann ohne zu zögern mit einem Gewehr. Ich fühlte mich erinnert an „Ötzi“, den mumifizierten Mann aus dem Eis, den man in den Ötztaler Hochalpen gefunden hat und der nachweislich einem gewaltsamen Tode zum Opfer gefallen war. Hans Haid, der damals Ötzis Bergung aus nächster Nähe mitbekommen hat, schreibt Folgendes:

Ich hatte aufgrund intensiver Kenntnis der Sagen sofort einen Zusammenhang mit der Sagenwelt der Saligen Frauen gefunden. Immer wieder berichten die alten Sagen vom „verschwundenen Mann im Hinteren Eis“, von einem Hirten oder Jäger, der in das Reich der Saligen vorgedrungen war und der eine von diesen geheimnisvollen Frauen geschützte Gämse schießen bzw. erlegen wollte. Beim Nachlesen in den verschiedenen Sagensammlungen hat es sich dann bestätigt: Dreimal berichten Sagen konkret über das Ereignis, dass ein Mann im Ferner verschwunden ist, immer im „Hinteren Eis“, also in der Gletscherwelt des hintersten Rofentales.“

(Quelle: http://www.cultura.at/haid/matriarchat.html)

Ötzi hatte ein Kupferbeil bei sich, einen für die Welt um 3000 v.Chr. unglaublich wertvollen Gegenstand, den man ihm trotz gewaltsamen Todes postmortem nicht abgenommen hat – warum wohl…? Die Verursacher seines Todes waren offenbar an diesem Gerät nicht die im Geringsten interessiert.

Für mich ist „Die Wand“ eine moderne Schilderung dessen, was sich vor rund 3000 Jahren in den Ötztaler Alpen rund um Ötzi abgespielt hat. Woher Marlen Haushofer davon wusste, obgleich man Ötzi erst rund 30 Jahre nach Vollendung ihres Romans fand, kann ich nur spekulieren: Vermag weibliche Intuition und Spiritualität die Grenzen von Zeit und Raum zu überwinden? Diese wahre Geschichte hat Sie einfach aufgefangen und niedergeschrieben, tausende Jahre nachdem „Ötzi“ den Tod gefunden hatte und noch viele Jahre bevor man ihn im Eis wiederentdeckt hatte.

Herzlichst,

Euer Anatol Stein

(c) by Robert Anatol Stein, 2013

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Die Destruktion der Familie

Was ist die Aufgabe einer Familie? Eine Familie ist ein geschützter Beziehungsraum in dem mehrere Menschen zusammenleben und ggf. Kinder großziehen. Die Bindung zwischen Mitgliedern einer Familie untereinander ist vergleichsweise stärker, beständiger und intensiver als zu Menschen außerhalb dieses Kreises. Die meisten grundlegenden und lebenserhaltenden Tätigkeiten (Essen, Trinken, Schlafen) und Fähigkeiten (Nahrung zubereiten, Haushaltstätigkeiten, Sprechen,  Zuhören, in Beziehung gehen, empathisch sein, gut für sich sorgen können) werden am besten innerhalb einer Familie erlernt. In matriarchalen Großfamilien  werden Menschen innerhalb einer Familie geboren und bleiben bis zum Tod in ein und derselben Familie. Sie wachsen darin heran und werden liebevoll umsorgt bis sie später selber für die Jüngeren Verantwortung übernehmen können. Ebenso werden die älter werdenden Menschen zunehmend von den Jüngeren entlastet und im hohen Alter gepflegt und versorgt. Dabei ist jede Aufgabe und jede Last immer auf viele Schultern verteilt. Dieser mehrgenerationale Schoß der Menschwerdung wird durch die patriarchale Zivilisation systematisch demontiert. Schon das Betreuen der Kinder geschieht zum größten Teil außerhalb der Familien: Krippe, Kita, Schule, Hort. Abends treffen die Kinder auf ihre übermüdeten Eltern, die selber eher erschöpft und bedürftig als kraftvoll und gebend sind. Nach der Kindheit folgt heutzutage für viele Menschen ein jahrelanges (z.B. studentisches) Singleleben in Beziehungsarmut. Man führt kurzzeitige, oberflächliche oder sexuell dominierte Beziehungen. Ein Leben, das in das schimmernde Glanzpapier der angeblichen Freiheit eingehüllt ist.  Dabei ist das Leben von einer Einsamkeit und Sehnsucht geprägt, die irgendwann dann doch zu einer Eheschließung mit Kindern führt. Ehen, die unter der Enge eines riesigen Erwartungsdrucks immer wieder sehr schnell wieder zerbrechen. Und selbst wenn diese nicht zerbrechen, bleiben Eltern allein, wenn die Kinder die elterliche Wohnung verlassen haben. Nicht selten endet das Leben wieder einsam im Altersheim.

Auch unsere Nahrung nehmen wir vorwiegend außerhalb familiärer Strukturen auf: Wir essen in Kantinen, in Imbissen, bestenfalls noch aus Brotbüchsen. Das, was wir im familiären Umfeld essen, basiert meist auf Fertiggerichten bzw. hochgradig vorverarbeiteter Nahrung, stammt schlimmstenfalls sogar vom Online-Lieferservice.

Sport, Spiel und Hobby werden meistens sehr individuell organisiert und finden ebenfalls außerhalb der Familie statt. Umgekehrt hat das, was in Hause der Familie stattfindet, oft einen isolierenden Charakter: Fernsehen, Internet surfen, Computer- bzw. Konsolenspiele spielen. Familiäres Beziehungsleben kann nicht stattfinden, wird verlernt und irgendwann auch nicht mehr gewollt, da mit zunehmender sozialer Inkompetenz auch die Konflikthäufigkeit stark zunimmt. Wir fühlen uns allein und verloren in der Menge.

Das gemeinschaftliche Großziehen von Kindern, das gemeinschaftliche Versorgen der Alten, das gemeinsame Kochen und Essen sowie das gemeinsame Sport treiben und spielen sind grundlegende Familienkompetenzen. In der Familie wird Empathie und Kommunikationsfähigkeit, ebenso wie die ausgewogene Balance von Durchsetzen und Nachgeben erlernt. Es kann nur hier nachhaltig Vertrauen, Selbstwert und Beständigkeit menschlicher Beziehung erfahren werden.

Losgelöst von Familien werden Menschen einsam und hochgradig abhängig von der sie umgebenden, künstlich geschaffenen Dienstleistungs-Gesellschaft. Abhängigkeiten wiederum machen manipulierbar und beschränken uns in unserer Freiheit und unserer Lebendigkeit.

Menschwerdung und Menschsein findet in stabilen, intakten Familien statt, nicht außerhalb. Darum: Familienkompetenz muss zurück in Familienhände!

Herzlichst,

Euer Anatol Stein

(c) by Robert Anatol Stein, 2013

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Von Hexen, Sündenböcken und Saligen Frauen (Teil1)

BildDie Hexenverfolgung hatte in Mitteleuropa in der frühen Neuzeit seine erschreckendsten Ausmaße. Die Gesamtzahl der vorwiegend weiblichen Opfer (80%) ist hinlänglich umstritten. Sie bewegt sich zwischen einigen Zehntausend bis hin zu einigen Hunderttausend oder – in umstrittensten Schätzungen – gar mehreren Millionen. Ein entsetzliches und unmenschliches Verbrechen unter maßgeblicher Federführung der kirchlichen Inquisition, aber auch des Volkes Willkür.

Besonders nachdenklich stimmt dabei, dass sich das Worte „Hexe“ aus dem viel älteren Wort „Hagedise“ entwickelt haben soll, wobei „Hag“ für “Haiga” (=die Heilige) und „Dise“(= die Göttliche) stehen soll. Hagedisen waren weise und begabte Frauen, die sich als Naturkundlerinnen, Geburtshelferinnen und Heilerinnen betätigt haben. Sie waren gewissermaßen die Ärztinnen des Mittelalters und ursprünglich sehr hochangesehene, ja sogar als heilig angesehene Personen. Aus dem „Hagedise“-Begriff ist irgendwann die verkürzte Bezeichnung „Hagse“ hervorgegengen, die später zum Schimpfbegriff „Hexe“ umgewandelt bzw. umgedeutet wurde. Die Kirche war bemüht das Wirken der Hagsen als bösen „Schadenszauber“ darzustellen, um ihre alleinige Machtposition zu sicherzustellen. Jesus, der mit seinem Martyrium stellvertretend für alle Menschen sämtliche Sünden auf sich genommen haben soll, ist möglicherweise nur eine patriarchale Legende. Als gesichert gilt hingegen,  dass Zehntausende oder Hunterttausende von Frauen grausam auf Scheiterhaufen verbrannten und für Sünden büßten, die sie nie begangen hatten…

Viele Forscher halten heute für möglich, dass bis hinein in die Jungsteizeit bzw. Bronzezeit unter den Menschen eine matriarchale Lebensweise vorherrschte, d.h. das Leben in Clans in der Abstammungslinie der Mutter. Die Vaterrolle ist in dieser Familienform unbekannt und die Wertmaßstäbe sind dem Wertesystem entlehnt, welches in unserer patriarchal geprägten Gesellschaft am ehesten nur noch durch die Mütter repräsentiert wird: Bedingungslose Liebe (=“Mutterliebe“), Fürsorge, Gewaltlosigkeit, Nachsicht, Erd- und Naturverbundenheit. Diese Werte sind aber auch geschlechterunabhängig umsetzbar und die Grundlage einer Gesellschaft in der das Gebären, Gedeihen und der Schutz alles Lebendigen im Vordergrund steht. Figurinen aus Stein oder Knochen sowie Höhlenmalereien, die weibliche Körper liebevoll in Szene setzen, sind stumme Zeugen einer anderen Weltordnung.  Interessanterweise gibt es auch matriarchale Spuren bei unseren nächsten Verwandten, den Affen: Auch die Bonobos (Zwergschimpansen), die den Menschen nicht nur genetisch, sondern auch hinsichtlich anderer Merkmale am ähnlichsten sind, nach heutigem Verständnis matriarchal: Die Weibchen und der Nachwuchs stehen ganz oben in der Rangordnung und geniessen den Schutz und die Fürsorge der ganzen Gruppe. Die Ähnlichkeit der Bonobos zu den Menschen zeigt sich z.B. darin, dass die Bonobos neben den Menschen die einzige Art ist, die sich ebenfalls von Angesicht zu Angesicht paaren kann. Weiter fällt auf, dass Bonobos besonders leicht an den gleichen Krankheitserregern erkranken, an denen auch Menschen erkranken, weswegen Bonobos (im Gegensatz zu den patriarchal organisierten Schimpansen) in der Umgebung von Menschen leicht zugrunde gehen und kaum in Gefangenschaft gehalten werden können.

Bis in die Neuzeit hinein haben sich auch unter den Menschen noch Überbleibsel dieser matriarchalen Ur-Kulturen aufrechterhalten können, z.B. die Mosuo in China, oder die Minangkabau auf Sumatra. In Mitteleuropa sind die letzten Überbleibsel der matriarchalen Urkultur möglicherweise in der Sagenwelt der Hochalpenregion verewigt. Diese sogenannten „Saligen Frauen“ bzw. „Salkweiber“ oder auch „Wilden Frauen“ genannten Frauen, denen man aussergewöhnliche Kräfte und Fähigkeiten zuschrieb, lebten scheu und zurückgezogen in den Hochalpen und schienen über ein ausgeprägtes Tier- und Planzenwissen zu verfügen. Sie galten als Beschützerinnen der alpinen Tierwelt und ihr Symboltier war die in der Bergwelt heimische Gemse. Bisweilen sollen sie sogar die aus dem Tal kommenden Jäger gezielt an der Jagd gehindert haben, um die für sie heiligen Tiere zu schützen. Es findet sich in zahlreichen Sagen, dass sie sich hingegen sehr gut auf die Weiterverarbeitung von Milch, d.h. das Buttern und Käsen verstanden haben sollen und dieses Wissen gelegentlich an die Bauern aus den Tälern weitergegeben haben. Ein Hinweis auf eine matriarchale Hirtinnenkultur, die möglicherweise in der alpinen Bergwelt ein letztes Refugium vor der um sich greifenden Patriarchalisierung gefunden hat.

Doch was hat das mit der eingangs erwähnten Hexenverfolgung zu tun? Überall in Mitteleuropa wurde über Generationen immer wieder urmatriarchales Wissen über Heilkräuter und Heilrituale von Mutter zu Tochter weitergebenen, welches vielerorts von Frauen praktiziert wurde. Ein Wissen, dessen Anwendung im Mittelalter den Menschen vielerorts wie schiere Zauberei vorgekommen sein musste. Die von der streng patriarchal orientierten Kirche praktizierte „Hexen“-Verfolgung war möglicherweise nichts anderes als die systematische Ausrottung aller Überbleibsel unser matriarchalen Urkultur … !

Fortsetzung folgt…

Herzlichst,

Euer Anatol Stein

(c) by Robert Anatol Stein, 2013

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Das „Entweder-Oder“ – Der Patriarchale Elefant im Porzellanladen der Herzen

Monogamie – aus meiner Sicht ein den Menschen aufgezwungenes patriarchales Konstrukt, geboren aus der Angst nicht wenigstens von einer einzigen Person auf der Welt bedingungslos geliebt zu werden. Dabei wird unerbittlich lebenslange Treue und Liebe von nur ein und demselben Partner in allen Lebenslagen eingefordert. Ironischerweise scheitert die Beziehung oft gerade auf Grund der Enge, welche dieser Ausschließlichkeitsanspruch erzeugt.

Und mal ehrlich, sehen wir uns doch um: Überall und ständig scheitern die Anfangs so zuversichtlichen Paarbeziehungen, unabhängig davon, ob homo oder hetero. Und hinterher wird es schmerzvoll, weil die eine große, „ewige“ Liebe fort ist und niemals wiederkehrt. An die Stelle der Liebe tritt ihr Gegenteil – die Angst. Eine Angst, die in der überfüllten, mit Verlockungen und Versprechungen vollgestopften Welt als erdrückende Einsamkeit erlebt wird. Aber auch dort, wo rasch eine neue Liebe an die Stelle der Alten treten will, wird oft noch wehmütig der alten Liebe gedacht. Oder die Angst, die neue Liebe ebenso zu verlieren, erstickt selbige im Keim. Ja verflixt – unser Herz hat ein gutes Gedächtnis und wir können ihm nichts vormachen.

Den unerschütterlichen Glauben an die lebenslange Monogamie nenne ich auch den „patriarchalen Elefanten im Porzellanladen der Herzen“.  Er ist es, der uns das „entweder-oder“ abverlangt und unsere Herzen an Schwarz-Weiss-Entscheidungen zerbrechen lässt. Ein plötzliches „Nein“ zu einer Partnerschaft ist oft nur ein „nicht mehr so“ und ein halbherziges „Ja“ ist oft nur ein „eigentlich nicht“. Und nur allzu oft hängen materiell-existenzielle Fragen bzw.  der Frage „Wo bleiben dann die Kinder?“ mit der eigentlichen Beziehungsfrage wie ein undurchdringbarer Filz zusammen!

Warum gestatten wir es uns nicht, mal ehrlich zu uns selbst zu sein? Wir wissen doch, dass wir mehr als nur einen Menschen in unser Herz schliessen können! Und wir wissen wie sehr es uns schmerzt, einst geliebte Menschen aus dem Herzen zu verstoßen, nur weil das gemeinsame Leben unter einem Dach nicht immer erträglich erscheint.

Wieder einmal liegt im Problem die Lösung: Liebesbeziehung und Familie sind zwei grundverschiedene Paar Schuhe und gehören sauber voneinander getrennt! Das Eingehen oder Beenden von Liebesbeziehungen sollte (wie Freundschaft auch) eine rein individuelle Entscheidung sein und nicht etwa das geschützte, stabile Umfeld von aufwachsenden Kindern in Frage stellen.

In Matriarchaten bleiben alle Heranwachsenden in der Familie ihrer Mutter, die man auch als Clan bezeichnet. Eine Vaterrolle ist dabei unbekannt, weil der Erzeuger keine Rolle spielt. Liebesbeziehungen können dabei vollkommen frei und individuell und am Rande des familiären Lebens gestaltet werden – und nicht in dessen Fokus. Monogamie ist hierbei nur eine der möglichen Optionen, neben Bigamie, Polygamie oder auch Promiskuitivität. Statt des patriarchalen „entweder-oder“ ist hier das matriarchale „sowohl-als auch“ das Mittel der Wahl. In der Praxis real exisitierender Matriarchate (z.B. die Mosu0 in China) zeigt sich, dass erst in dieser frei-gewählten Form eine unbelastete, und möglicherweise sogar dauerhaft monogame Liebesbeziehung möglich ist. Als interessanter Nebeneffekt fallen diese Gesellschaften durch einen stark ausgeprägten Hang zur Gewaltlosigkeit auf.

Ich glaube, ein Herz wächst, je mehr Menschen wir liebevoll darin aufzunehmen dürfen, oder?

Herzlichst,

Euer Anatol Stein

(c) by Robert Anatol Stein, 2013

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